Infrarotkabine Wirkung: Was aus medizinischer Sicht belegt ist und was nicht
Durchblutung, Schmerzen, Herz, Entgiftung: Was über die gesundheitliche Wirkung von Infrarotsaunen tatsächlich bekannt ist, welche Versprechen nicht halten und wer vorsichtig sein sollte.

Im Netz liest man viel über die Infrarotkabine: Sie soll entgiften, das Immunsystem stärken, Fett verbrennen und Schmerzen heilen. Die Wirklichkeit ist nüchterner. Dieser Artikel fasst zusammen, was zur Wirkung von Infrarotkabinen aus medizinischer Sicht bekannt ist, welche Vor- und Nachteile sie hat, wo die Belege dünn sind und wer vorsichtig sein sollte.
Wofür ist eine Infrarotkabine gut? Vor allem für Entspannung und Wärme, die viele als weniger belastend empfinden als die finnische Sauna. Für einzelne medizinische Wirkungen gibt es Hinweise, aber meist aus kleinen Studien.
Kurz gesagt:
- Infrarotkabinen sind für Gesunde in der Regel gut verträglich und werden als entspannend erlebt
- Es gibt Hinweise auf Effekte bei Blutdruck, Herzschwäche und chronischen Schmerzen – meist aus kleinen Studien
- Die bekannten Langzeitstudien zur Herzgesundheit beziehen sich auf die finnische Sauna
- „Entgiftung“, „Fettverbrennung“ und „Immunboost“ sind nicht belegt
Wie Infrarotwärme wirkt
Eine Infrarotkabine heizt nicht in erster Linie die Luft auf, sondern strahlt Wärme direkt auf den Körper. Die Lufttemperatur liegt laut EnBW bei etwa 35 bis 50 °C, in der finnischen Sauna bei etwa 80 bis 90 °C (EnBW). Die Strahlung wird in der Haut aufgenommen: IR-A dringt laut Bundesamt für Strahlenschutz bis etwa 5 mm ein, IR-B und IR-C werden weitgehend in der Oberhaut aufgenommen (BfS). Der Körper reagiert ähnlich wie bei jeder Wärme:
- Die Blutgefäße der Haut weiten sich
- Der Puls steigt etwas, der Blutdruck kann sinken
- Sie schwitzen, um die Körpertemperatur zu regulieren
- Muskeln entspannen sich
Viele Menschen empfinden die Infrarotkabine als weniger belastend als die finnische Sauna. Eine Studie mit zehn Sportlern fand nach der Infrarotsauna einen Puls von 71, nach der finnischen Sauna von 92 Schlägen pro Minute (Mero u. a. 2015).
Was die Forschung zeigt
| Bereich | Studienlage | Einordnung |
|---|---|---|
| Blutdruck | begrenzte Hinweise | kleine Studien, meist aus einer Forschungsgruppe |
| Herzschwäche | begrenzte Hinweise | „Waon-Therapie“ in Japan unter ärztlicher Aufsicht |
| Chronische Schmerzen | schwache bis mittlere Hinweise | wenige kleine Studien |
| Rheuma (RA, Morbus Bechterew) | Pilotstudie | kurzfristig weniger Schmerzen und Steifigkeit |
| Erholung nach Sport | eine kleine Studie | leichte Hinweise |
| Cholesterin | Studien sprechen gegen einen Effekt | – |
| Gewichtsabnahme | sehr schwache Hinweise | Gewichtsverlust ist überwiegend Wasser |
Die wichtigste Übersichtsarbeit zu Infrarotsaunen (Beever 2009, Canadian Family Physician) fand nur neun relevante Studien. Sie wertete die Hinweise bei Blutdruck und Herzschwäche als begrenzt, bei chronischen Schmerzen als fair (eine Studie) und fand keine Wirkung auf das Cholesterin. Die Studien waren klein, kurz und stammten überwiegend aus einer Forschungsgruppe.
Zur finnischen Sauna gibt es größere Studien: In einer Beobachtungsstudie mit 2.315 Männern aus Ostfinnland (Laukkanen u. a. 2015, JAMA Internal Medicine) war häufiges Saunieren mit einem geringeren Risiko für plötzlichen Herztod und Herz-Kreislauf-Tod verbunden. Beobachtungsstudien zeigen aber Zusammenhänge, keine Ursache. Und die Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf Infrarotkabinen übertragen.
Psyche und Stimmung
Viele empfinden die Wärme als entspannend, das ist der häufigste Grund für eine Kabine zuhause. Zu Depressionen gibt es eine kleine randomisierte Studie mit 29 ausgewerteten Teilnehmenden: Eine einzige medizinische Ganzkörper-Hyperthermie senkte die Werte auf der Hamilton-Depressionsskala über sechs Wochen stärker als eine Scheinbehandlung (Janssen u. a. 2016, JAMA Psychiatry). Das war eine Behandlung unter Aufsicht in einer Klinik, keine Sitzung in einer Heimkabine. Eine Depression gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung, die Kabine ersetzt sie nicht.
Haut und Hautalterung
Für schönere Haut durch die Infrarotkabine gibt es keine Belege. Eher im Gegenteil: Das Bundesamt für Strahlenschutz schreibt, dass mehrere Untersuchungen der Infrarotstrahlung eine Beteiligung am Kollagenabbau und an der beschleunigten Hautalterung zuschreiben (BfS). Forschende aus Düsseldorf beschreiben, dass mehr als 65 Prozent der IR-A-Strahlung bis in die Lederhaut gelangen und dass dazu auch künstliche IR-A-Quellen für Therapie und Wellness gehören (Schroeder u. a. 2008, Exp Gerontol). Wie stark eine Heimkabine dazu beiträgt, ist nicht untersucht. Ob Kabinen ohne IR-A-Anteil hautschonender sind, ist ebenfalls nicht untersucht. Halten Sie den Abstand zu den Strahlern ein, den die Anleitung nennt.
Mehr zu einzelnen Beschwerden: Arthrose, Rückenschmerzen, Sport, Erkältung.
Vorteile und Nachteile auf einen Blick
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Lufttemperatur meist 35 bis 50 °C statt 80 bis 90 °C wie in der finnischen Sauna | Für Heilwirkungen nur kleine Studien, keine großen Langzeitstudien |
| In einer Studie geringere Pulsbelastung als in der finnischen Sauna (Mero 2015) | Infrarotstrahlung ist an beschleunigter Hautalterung beteiligt (BfS) |
| Meist 1,4 bis 2 kW statt 6 bis 9 kW beim Saunaofen (EnBW) | Strahler mit IR-A-Anteil nicht direkt anschauen, IR-A erreicht die Netzhaut (BfS) |
| Kürzere Aufheizzeit als die finnische Sauna, kein Aufguss nötig | Kein klassisches Saunaerlebnis mit Hitze und Aufguss |
| Kleine Kabinen passen in Wohnung oder Bad | Braucht Platz, Strom und je nach Modell einen eigenen Stromkreis |
Den Vergleich mit der klassischen Sauna lesen Sie ausführlich im Artikel Infrarotsauna oder finnische Sauna?. Was eine Sitzung an Strom kostet, steht im Artikel zum Stromverbrauch.
Verbreitete Mythen
„Die Infrarotsauna entgiftet.“ Schweiß besteht fast nur aus Wasser und Salzen. Der Anteil von Schadstoffen ist sehr gering. Entgiftung leisten Leber und Nieren.
„Sie stärkt das Immunsystem.“ Dafür gibt es bei Infrarotkabinen keine belastbaren Belege. Zur finnischen Sauna gibt es eine kleine, alte Studie mit weniger Erkältungen.
„Sie verbrennt 600 Kalorien.“ Diese Zahl ist nicht durch unabhängige Studien belegt. Der Gewichtsverlust nach der Sauna ist Wasser. Mehr dazu im Artikel Infrarotsauna zum Abnehmen.
„Sie heilt Hautkrankheiten.“ Dafür gibt es keine Belege. Bei Neurodermitis nennt das IQWiG starke Hitze sogar als möglichen Hautreiz (gesundheitsinformation.de). Das BfS weist außerdem darauf hin, dass mehrere Untersuchungen Infrarotstrahlung eine Beteiligung an beschleunigter Hautalterung zuschreiben. Fragen Sie bei Hauterkrankungen Ihre Hautarztpraxis.
„IR-A-Strahlung dringt tiefer ein und wirkt deshalb stärker.“ IR-A dringt bis etwa 5 mm in die Haut ein, IR-C bleibt weitgehend in der Oberhaut. Angaben von mehreren Zentimetern sind falsch. Ein gesundheitlicher Vorteil von Vollspektrum-Strahlern ist nicht belegt. Mehr im Artikel Vollspektrum-Infrarotsauna.
Richtig anwenden
- Dauer: Herstelleranleitungen nennen 15 bis 30 Minuten, Einsteiger eher kürzer
- Temperatur: So, dass es angenehm bleibt; Anleitungen nennen 35 bis 60 °C
- Häufigkeit: Feste Empfehlungen aus Studien gibt es nicht
- Augen: Nicht direkt in Strahler mit IR-A-Anteil schauen, IR-A erreicht die Netzhaut (BfS)
- Haut: Bei anhaltenden Hautrötungen keine weiteren Infrarotbestrahlungen und ärztlich nachfragen (BfS)
- Trinken: Vor und nach der Sitzung
- Nicht nach Alkohol, Drogen oder Medikamenten, die das Schmerzempfinden dämpfen (BfS), nicht direkt nach großen Mahlzeiten
Ausführlich im Artikel Infrarotsauna richtig nutzen.
Wann Sie vorsichtig sein sollten
Wärmeanwendungen belasten den Kreislauf. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel instabile Angina pectoris, kürzlicher Herzinfarkt, schwere Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen
- Sehr niedriger oder schlecht eingestellter Blutdruck, siehe Sauna und Infrarotkabine bei Bluthochdruck
- Schwangerschaft
- Fieber, akute Infekte oder akute Entzündungen
- Medikamente, die Kreislauf, Blutdruck oder Schwitzen beeinflussen
- Implantate aus Metall im Strahlungsbereich oder empfindliche, schlecht durchblutete Haut (z. B. bei Diabetes mit Nervenschäden)
Trinken Sie vor und nach der Sitzung ausreichend, verzichten Sie auf Alkohol und brechen Sie bei Schwindel, Übelkeit oder Herzklopfen sofort ab.
Fazit
Die Infrarotsauna ist für die meisten Menschen eine angenehme, gut verträgliche Wärmeanwendung. Für konkrete Heilwirkungen ist die Studienlage dünn, viele Versprechen im Netz sind übertrieben oder falsch. Wer sie als Entspannung nutzt und bei Vorerkrankungen ärztlich nachfragt, macht nichts falsch.
Quellen
- Beever R: Far-infrared saunas for treatment of cardiovascular risk factors: summary of published evidence. Can Fam Physician 2009; 55(7): 691–696. PubMed 19602651
- Laukkanen T u. a.: Association between sauna bathing and fatal cardiovascular and all-cause mortality events. JAMA Intern Med 2015; 175(4): 542–548. doi:10.1001/jamainternmed.2014.8187
- Mero A u. a.: SpringerPlus 2015; 4: 321. doi:10.1186/s40064-015-1093-5
- Oosterveld FG u. a.: Clin Rheumatol 2009; 28(1): 29–34. doi:10.1007/s10067-008-0977-y
- Janssen CW u. a.: Whole-Body Hyperthermia for the Treatment of Major Depressive Disorder: A Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry 2016; 73(8): 789–795. PubMed 27172277
- Schroeder P, Haendeler J, Krutmann J: The role of near infrared radiation in photoaging of the skin. Exp Gerontol 2008; 43(7): 629–632. PubMed 18534799
- Bundesamt für Strahlenschutz: Wirkungen von Infrarotstrahlung, Infrarot in Medizin und Wellness
- IQWiG: Neurodermitis
- EnBW: Sauna für zuhause
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Stand: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wofür ist eine Infrarotkabine gut?
Vor allem für Entspannung und angenehme Wärme bei niedrigerer Lufttemperatur als in der finnischen Sauna. Medizinisch gibt es Hinweise bei Blutdruck, Herzschwäche und chronischen Schmerzen, meist aus kleinen Studien. Heilversprechen wie Entgiftung, Fettverbrennung oder Immunstärkung sind nicht belegt.
Welche Nachteile hat eine Infrarotkabine?
Die Studienlage zu Heilwirkungen ist dünn, die Kabine braucht Platz und Strom (meist 1,4 bis 2 kW), und Infrarotstrahlung ist laut Bundesamt für Strahlenschutz an beschleunigter Hautalterung beteiligt. Strahler mit IR-A-Anteil sollten Sie nicht direkt anschauen. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fieber oder in der Schwangerschaft vorher ärztlich nachfragen.
Ist die Infrarotsauna gesund?
Für gesunde Menschen ist sie in der Regel gut verträglich und wird als entspannend empfunden. Für konkrete gesundheitliche Wirkungen ist die Studienlage bei Infrarotkabinen dünn: Es gibt Hinweise bei Blutdruck, Herzschwäche und chronischen Schmerzen, aber meist aus kleinen Studien. Die bekannten Langzeitstudien zur Sauna stammen aus der finnischen Sauna.
Wie wirkt Infrarotwärme auf den Körper?
Infrarotstrahler erwärmen vor allem Haut und oberflächennahes Gewebe, die Luft bleibt mit etwa 40 bis 60 Grad vergleichsweise kühl. Der Körper reagiert mit erweiterten Blutgefäßen, etwas höherem Puls und Schwitzen.
Entgiftet man in der Infrarotsauna?
Nein, nicht in nennenswertem Umfang. Schweiß besteht fast nur aus Wasser und Salzen. Schadstoffe werden vor allem über Leber und Nieren ausgeschieden.
Ist die Infrarotsauna gut fürs Herz?
Große Beobachtungsstudien aus Finnland verbinden häufiges Saunieren mit einem geringeren Herz-Kreislauf-Risiko, allerdings für die klassische finnische Sauna und ohne Beweis für Ursache und Wirkung. Für Infrarotsaunen gibt es kleinere Studien, vor allem aus Japan zur Herzschwäche. Wer herzkrank ist, sollte die Nutzung mit dem Arzt besprechen.
Wer sollte nicht in die Infrarotsauna?
Menschen mit instabilen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sehr niedrigem Blutdruck, Fieber oder akuten Entzündungen sowie Schwangere sollten vorher ärztlichen Rat einholen. Auch bei Medikamenten, die den Kreislauf beeinflussen, ist Vorsicht geboten.
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