Sauna und Infrarotkabine bei Bluthochdruck: Was gilt?
Darf man mit Bluthochdruck in die Sauna oder Infrarotkabine? Was die Deutsche Hochdruckliga rät, was während und nach dem Saunagang mit dem Blutdruck passiert und wann Sie verzichten sollten.
Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
- 01 Was die Deutsche Hochdruckliga rät
- 02 Was in der Sauna mit dem Blutdruck passiert
- 03 Senkt regelmäßiges Saunieren den Blutdruck?
- 04 Infrarotkabine oder finnische Sauna bei Bluthochdruck?
- 05 So saunieren Sie mit Bluthochdruck
- 06 Wann Sie nicht in die Sauna sollten
- 07 Und bei niedrigem Blutdruck?
- 08 Fazit
- 09 Quellen

Kurz gesagt: Mit gut eingestelltem Bluthochdruck müssen Sie laut Deutscher Hochdruckliga nicht auf die Sauna verzichten. Vor dem ersten Mal rät sie zur ärztlichen Untersuchung mit Belastungs-EKG. Während des Saunagangs steigt der Blutdruck, erst in der Ruhephase danach sinkt er. Beginnen Sie mild und kurz, meiden Sie Eisbecken und kalte Dusche und ruhen Sie danach mindestens 30 Minuten. Bei schlecht eingestelltem Blutdruck, Blutdruckkrisen oder instabilen Herzbeschwerden: keine Sauna.
Die meisten Empfehlungen und Studien betreffen die klassische finnische Sauna. Für die Infrarotkabine gibt es weniger Daten; was dazu bekannt ist, steht in einem eigenen Abschnitt. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte besprechen Sie Saunabesuche mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders wenn Sie Blutdruckmedikamente nehmen.
Was die Deutsche Hochdruckliga rät
Die Deutsche Hochdruckliga hat die wichtigsten Punkte mit dem Sportmediziner Prof. Reinhard Ketelhut zusammengestellt (Hochdruckliga):
- Gut eingestellt ist die Voraussetzung. Wer einen gut eingestellten Bluthochdruck hat, muss nicht auf die Sauna verzichten. Der Blutdruck soll nicht nur in Ruhe, sondern auch unter Belastung gut eingestellt sein.
- Vorher untersuchen lassen. Wer lange keinen Sport getrieben hat oder Vorerkrankungen hat, soll vor dem ersten Saunabesuch ärztlich ein Belastungs-EKG machen lassen. Ein Kriterium ist eine beschwerdefreie Belastbarkeit von mindestens 1 Watt pro Kilogramm Körpergewicht.
- Grenzwert unter Belastung: Bei Frauen und Männern zwischen 20 und 50 Jahren soll der Blutdruck bei 100 Watt auf dem Ergometer 200/100 mmHg nicht überschreiten.
- Mild beginnen. Für den Anfang rät die Hochdruckliga zu Bio- oder Dampfsaunen mit 45 bis 60 °C und zu nur drei bis fünf Minuten, langsam gesteigert.
- Nicht radikal abkühlen. Eisbecken und kalte Dusche meiden, weil sich die Gefäße verengen und der Blutdruck stärker steigen könnte. Besser: langsam an der Luft oder mit lauwarmem Wasser abkühlen und danach mindestens 30 Minuten ruhen.
Was in der Sauna mit dem Blutdruck passiert
Viele glauben, die Sauna senke den Blutdruck sofort, weil sich die Gefäße weiten. Das stimmt so nicht. Eine Studie aus Halle hat 19 gesunde Erwachsene in einer 93 °C heißen finnischen Sauna gemessen (Ketelhut & Ketelhut 2019):
- Während der 25 Minuten in der Sauna stiegen oberer und unterer Blutdruckwert deutlich und immer weiter an, der Puls ebenfalls.
- Die Belastung entsprach etwa einer Belastung von 60 bis 100 Watt auf dem Fahrradergometer, also moderater körperlicher Anstrengung.
- In der Ruhephase danach sanken Blutdruck und Puls und lagen schließlich deutlich unter dem Ausgangswert.
Die Hochdruckliga ordnet das so ein: Der Saunagang ist zunächst eine Belastung für Herz und Kreislauf, die Blutdrucksenkung tritt erst in der Ruhephase ein und hält dann lange an. Deshalb gehört die Ruhepause nach jedem Saunagang dazu.
Senkt regelmäßiges Saunieren den Blutdruck?
Es gibt Hinweise, aber keinen Beweis:
- Finnische Beobachtungsstudie: 1.621 Männer aus Ostfinnland wurden im Mittel fast 25 Jahre beobachtet. Wer 4 bis 7 Mal pro Woche in die Sauna ging, entwickelte seltener Bluthochdruck als Männer mit einem Saunagang pro Woche (Zaccardi u. a. 2017). Eine Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang. Ob die Sauna die Ursache ist, lässt sich daraus nicht sicher ableiten.
- Ältere Studien bei Hypertonie: Die Hochdruckliga nennt deutsche Studien aus den 1990er-Jahren, in denen der Blutdruck bei Menschen mit Bluthochdruck nach drei Monaten mit zwei Saunagängen pro Woche von 166/101 auf 143/92 mmHg sank. Als Erklärung wird eine bessere Funktion der Gefäßinnenwand angenommen, ähnlich wie bei Ausdauertraining.
Die Sauna ist damit eine mögliche Ergänzung, keine Behandlung. Blutdruckmedikamente setzen Sie nicht eigenmächtig ab oder herunter, auch wenn die Werte nach der Sauna niedriger sind.
Infrarotkabine oder finnische Sauna bei Bluthochdruck?
Einen direkten Vergleich bei Menschen mit Bluthochdruck haben wir nicht gefunden. Was bekannt ist:
| Finnische Sauna | Infrarotkabine | |
|---|---|---|
| Lufttemperatur | etwa 80 bis 90 °C | meist 35 bis 50 °C |
| Puls nach 30 Minuten (eine Studie mit Sportlern) | 92 Schläge pro Minute | 71 Schläge pro Minute |
| Studien zum Blutdruck | große Beobachtungsstudie aus Finnland, ältere deutsche Studien | wenige kleine Studien, „begrenzte Hinweise“ |
Quellen: Lufttemperaturen laut EnBW, Puls aus Mero u. a. 2015, Einordnung der Infrarot-Studien aus der Übersichtsarbeit von Beever 2009.
Die Infrarotkabine ist also die mildere Wärme. Das passt zur Empfehlung der Hochdruckliga, mit milderen Saunen bei 45 bis 60 °C zu beginnen. Ob sie bei Bluthochdruck sicherer ist, wurde aber nicht untersucht. Auch in der Infrarotkabine steigt die Körpertemperatur und der Kreislauf arbeitet. Für sie gelten deshalb dieselben Regeln: vorher ärztlich abklären, niedrig und kurz beginnen, nicht kalt abschrecken, danach ruhen.
Mehr zu den Unterschieden: Infrarotsauna oder finnische Sauna?
So saunieren Sie mit Bluthochdruck
- Ärztlich abklären, am besten mit Belastungs-EKG, und fragen, ob Ihre Medikamente etwas ändern
- Mild und kurz beginnen: in der Infrarotkabine bei niedriger Temperatur, in der Sauna drei bis fünf Minuten
- Langsam steigern, nur wenn Sie es gut vertragen
- Nicht kalt abschrecken: kein Eisbecken, keine kalte Dusche, besser lauwarm oder an der Luft
- Mindestens 30 Minuten ruhen nach jedem Saunagang
- Trinken vor und nach der Sitzung, kein Alkohol
- Sofort abbrechen bei Schwindel, Kopfschmerz, Brustschmerz, Herzklopfen oder Übelkeit
Wie Sie die Kabine allgemein sicher nutzen, steht im Artikel Infrarotkabine richtig nutzen.
Wann Sie nicht in die Sauna sollten
Gegen einen Saunabesuch sprechen laut Hochdruckliga:
- schlecht eingestellter Bluthochdruck oder wiederholte Blutdruckkrisen
- akute Herzschwäche
- Brustschmerzen mit sich ändernder Symptomatik (instabile Angina pectoris)
- weitere Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollen
Im Zweifel ist die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt der erste Ansprechpartner.
Und bei niedrigem Blutdruck?
Hier ist die Ruhephase der kritische Moment: Nach dem Saunagang sinkt der Blutdruck unter den Ausgangswert (Ketelhut 2019). Wer ohnehin niedrigen Blutdruck hat, merkt das eher als Schwindel beim Aufstehen. Studien speziell zu Menschen mit niedrigem Blutdruck haben wir nicht gefunden. Praktisch heißt das:
- langsam aufstehen, besonders aus dem Liegen
- nach dem Saunagang erst hinsetzen
- ausreichend trinken
- bei Schwindel sofort abbrechen und sich hinlegen
- bei häufigem Schwindel oder Ohnmachtsneigung vorher ärztlich nachfragen
Für ältere Menschen gibt es weitere Hinweise im Artikel Infrarotsauna für Senioren.
Fazit
Bluthochdruck schließt die Sauna nicht aus, wenn er gut eingestellt ist und ärztlich abgeklärt wurde. Während des Saunagangs steigt der Blutdruck wie bei moderater Belastung, erst in der Ruhe danach sinkt er. Wer mild beginnt, nicht kalt abschreckt und danach ruht, hält die Belastung klein. Die Infrarotkabine ist die mildere Variante, belegt sicherer ist sie aber nicht. Was die Infrarotkabine sonst kann und was nicht, steht im Artikel zur Wirkung der Infrarotkabine.
Quellen
- Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®: Bluthochdruck und Sauna, mit Prof. Reinhard Ketelhut (nach Druckpunkt 4/2016)
- Ketelhut S, Ketelhut RG: The blood pressure and heart rate during sauna bath correspond to cardiac responses during submaximal dynamic exercise. Complement Ther Med 2019; 44: 218–222. PubMed 31126559
- Zaccardi F u. a.: Sauna Bathing and Incident Hypertension: A Prospective Cohort Study. Am J Hypertens 2017; 30(11): 1120–1125. PubMed 28633297
- Beever R: Far-infrared saunas for treatment of cardiovascular risk factors: summary of published evidence. Can Fam Physician 2009; 55(7): 691–696. PubMed 19602651
- Mero A u. a.: Effects of far-infrared sauna bathing on recovery from strength and endurance training sessions in men. SpringerPlus 2015; 4: 321. doi:10.1186/s40064-015-1093-5
- EnBW: Sauna für zuhause
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Stand: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Darf man mit Bluthochdruck in die Sauna?
Mit gut eingestelltem Bluthochdruck meist ja. Die Deutsche Hochdruckliga schreibt, dass Menschen mit gut eingestelltem Bluthochdruck nicht auf die Sauna verzichten müssen. Der Blutdruck sollte aber auch unter Belastung gut eingestellt sein, und vor dem ersten Saunagang rät sie zur ärztlichen Untersuchung mit Belastungs-EKG.
Steigt oder sinkt der Blutdruck in der Sauna?
Während des Saunagangs steigt er. In einer Studie aus Halle stiegen oberer und unterer Wert in einer 93 °C heißen Sauna an, der Puls ebenfalls, ähnlich wie bei moderater Belastung mit 60 bis 100 Watt. Erst in der Ruhephase danach sank der Blutdruck unter den Ausgangswert.
Ist die Infrarotkabine bei Bluthochdruck besser als die finnische Sauna?
Direkt verglichen wurde das bei Bluthochdruck nicht. Die Infrarotkabine ist mit meist 35 bis 50 °C Luft deutlich milder, und in einer Studie mit Sportlern war der Puls danach niedriger als nach der finnischen Sauna. Die Hochdruckliga empfiehlt Einsteigern ohnehin mildere Saunen mit 45 bis 60 °C. Ärztlich abklären sollten Sie es trotzdem.
Senkt regelmäßiges Saunieren den Blutdruck?
Es gibt Hinweise. In einer finnischen Beobachtungsstudie mit 1.621 Männern hatten Männer mit 4 bis 7 Saunagängen pro Woche ein geringeres Risiko, Bluthochdruck zu entwickeln, als Männer mit einem Saunagang. Das zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis. Medikamente und ärztliche Behandlung ersetzt die Sauna nicht.
Darf ich nach der Sauna mit Bluthochdruck kalt duschen?
Die Hochdruckliga rät davon ab. Eisbecken und kalte Dusche könnten die Gefäße verengen und den Blutdruck stärker ansteigen lassen. Besser ist langsames Abkühlen an der Luft oder mit lauwarmem Wasser und danach mindestens 30 Minuten Ruhe.
Was gilt bei niedrigem Blutdruck?
Nach der Sauna sinkt der Blutdruck unter den Ausgangswert. Wer ohnehin niedrigen Blutdruck hat, sollte deshalb langsam aufstehen, sich nach dem Saunagang hinsetzen, ausreichend trinken und bei Schwindel sofort abbrechen. Bei häufigem Schwindel oder Ohnmachtsneigung vorher ärztlich nachfragen.
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